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Urteile nicht, auf dass du nicht verurteilt werdest!

Ich glaube, dieser Spruch gehört in die Bibel. Und in den letzten Monaten ist er mir zusehends öfter in den Sinn gekommen. Zumindest für mich gefühlt nimmt das Unwesen von völlig unqualifizierten Bewertungen zu.

Miete ich zur Abwechslung unterwegs einmal über eine große, langsam in Verruf kommende Internetplattform ein privates b&b Zimmer kann ich immer wieder staunen, wie breit gefächert von ganz prima bis ganz schlecht die Bewertung ein und desselben Angebots ausfällt. Wie Gäste bei einem supergünstigen Preis plötzlich Erwartungen kundtun, die nach meinem Empfinden eher einem vier oder fünf Sterne Hotel entsprächen. Etwa, wie der eine das Fehlen von mehr Holz und cosyness fordert, während der andere mehr Sachlichkeit und Freiheit von Verspieltem verlangt.

Manchmal staune ich dann. Darüber, wie eigene Erwartungen zu einem Beurteilungskriterium werden. Besonders gerne, um etwas anderes abzuwerten, seltener, um es toll zu finden.

Genau in dem Portal bin ich auf einen Beitrag gestoßen, der mich sehr angenehm beeindruckt hat. Denn eine junge Frau schrieb: „Ich bewerte grundsätzlich nichts. Denn mein Empfinden hat oft wenig mit objektivierbaren Kriterien zu tun.“

Ich war begeistert! Ja, mir kann eine Gegenleistung gefallen oder auch ganz und gar nicht behagen. Das hängt von vielen höchst subjektiven Umständen ab. Unter anderem von vielen Dingen, die nahezu alle in meinen ureigenen Verantwortungsbereich fallen, oder auf die niemand einen nennenswerten Einfluss hat. Von meiner Stimmung, vom Wetter, von mehr oder weniger erfreulichen Ereignissen des Tages …

Davon anhängig, kann meine Wahrnehmung sehr unterschiedlich ausfallen.

Für mich persönlich ist diese meine Wahrnehmung absolut in Ordnung. Ich darf sehr subjektive Erinnerungen haben, beispielsweise eine Stadt nach einem Besuch bei schlechtem Wetter, Stress bei der Parkplatzfinde, einem einzigen unfreundlichen Kellner und einem kleinen weiteren unerquicklichen Erlebnis „einfach blöd“ finden.

Aber muss ich dann meine subjektiven Empfindungen in einer Beurteilung der Stadt, des Lokals, in dem der Kellner tätig war, einem Gemeckere über fehlende Parkmöglichkeiten im Netz Luft machen?

Muss ich ein gemietetes Zimmer, dessen sachlich und funktional wirkende Einrichtung mir, außer der Lage und dem Preis, wirklich gefallen haben, die ich auch schon auf Fotos sehen konnte, im Nachhinein niedermetzeln, weil ich es gerne kuscheliger oder wie auch immer gehabt hätte?

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Muss ich bei der Bewertung eines Buches einer Autorin, die für ihre wirklich feinsinnigen Beschreibungen von Menschen, zwischen menschlichen Ereignissen und Grenzsituationen bekannt ist und gerne gelesen wird (nein ich rede nicht von mir! – obwohl ich natürlich auch tolle Bücher schreibe😉 ) in einer Rezension niedermetzeln, weil ich „immer eine richtig fiese und echt widerliche Person in einem Buch brauche“ und die nicht da war? Wäre es da nicht adäquater, mir selbst zu sagen, „Mensch …, da hast du dich wohl etwas vergriffen …,“ anstatt wegen eines solchen persönlichen Fehlgriffs die Verantwortung auf jemanden oder etwas anderes zu verschieben und ein in seinem Genre wundervolles Buch so substanzlos abzuqualifizieren?

Niemand liebt jedes Genre an Büchern. Aber sind deshalb alle schlecht, die doch immerhin auch ihre Leser finden, bloss, weil sie nicht meine sind?

Soll eine Bewertung dann auch noch lauten: „Ich verstehe sie nicht, die Leute, denen DAS gefällt!“ Damit werte ich doch alle ab, denen DAS (unverständlicherweise?) gut gefällt. „Mein Ding ist es nicht.“, wäre doch völlig ok und eigentlich so ausreichend, wie eigentlich auch noch überflüssig.

Und gibt es wirklich nur „sehr gut“ oder „ungenügend“? Beim Lesen mancher Bewertungen könnte solch ein Gedanke aufkommen.

In der Psychologie gelten Leute, die nur alles oder nichts, schwarz oder weiß, nur die Extreme eines Spektrums wahrnehmen können, als krank. In der Schule wäre ich oft unglücklich gewesen, hätte mich ein Fehler, vielleicht sogar ein kleiner, nicht nur das „sehr gut“ gekostet, sondern zugleich ein „ungenügend“ ausgelöst. Wahrscheinlich wäre auch manch ein Bewertungsschreiber regelmäßig, weil nie gänzlich mangelfrei, stets im „ungenügend“ gelandet, wenn an seine Leistungen der alles oder nichts Grundsatz angewandt worden wäre, mit dem er nun bewertet.

Ich gestehe, dass mich das auch bei der ein oder anderen Bewertung meiner Bücher geschockt hat. Insbesondere, wenn dort dann zum Beispiel stand: Eigentlich eine ganz gute Idee, auch bis zum … ganz spannend erzählt, aber … und ein einsames Sternchen vergeben wurde. Denn die Aspekte „eigentlich …“ und „bis zum … auch …“ wären ja vielleicht doch irgendwas zwischen befriedigend und ausreichend gewesen.

Nur wenige der schlechten Bewertungen habe ich auf Anhieb verstanden. Aus denen konnte ich auch eine Menge lernen und das dann im Folgenden auch gut umsetzen. Für solche bin ich dankbar.

Verstanden habe ich dann aber irgendwann auch die anderen. Da findet ein richtig harter Kampf um Rangpositionen statt. Jedem, der wirklich im Ranking nach oben rutscht, wird „professionell“ und jedenfalls auch von Leuten, die damit auftragsgemäß Geld verdienen, eins übergebraten. Und da die Grundsätze der Mathematik dazu führen, dass eine Bewertung mit nur einem Stern den Schnitt tiefer zieht, als eine solche mit differenzierten drei oder vier Sternchen, gibt es nur schwarz oder weiß, beziehungsweise nur ein einziges Sternlein.

Irgendwann habe ich dann sogar gehört, dass es früher möglich war, viele schlechte Bewertungen für die „Konkurrenz“ und viele gute für das eigene Produkt in Auftrag zu geben. Immerhin haben viele Portale dem inzwischen einen Riegel vorgeschoben.

Aber an der grundsätzlichen Fragwürdigkeit mancher Bewertungen ändert es nichts. Zumal manch einer auch plötzlich merken kann, wie schnell sich ein eigenes Urteil beschämend verändern kann.

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Die folgende Geschichte ist nicht von mir, aber sehr passend:

Kürzlich begegnete ich auf der Straße einem Mann, der in den besten Jahren ist und eine hohe berufliche Position innehat. Ich frage ihn, wie es ihm gehe. “Momentan nicht so gut”, sagt er zu mir, “ich hatte eine harmlose Operation am Innenohr, und seither leide ich an Schwindel und Unwohlsein, bereits seit mehr als zwei Monaten. Ich hatte zwar begonnen zu arbeiten, aber ich musste die Übung abbrechen. Die Ärzte sind auch ziemlich am Ende ihres Lateins. … “Und wissen Sie”, führte er dann noch weiter aus, “etwas habe ich gelernt. Ich habe gelernt, dass ich nie wieder über andere urteilen werde, die nicht mehr arbeiten und zu Hause herum hocken. Wissen Sie, bis zu meiner Krankheit war ich immer ziemlich schnell mit meinem Urteil über solche Typen. ‘Simulant, Schmarotzer’, das war so ziemlich das Harmloseste, was mir dazu einfiel, nun bin ich selber einer von ihnen …

Das mit dem Urteilen, ich finde, es sollte sehr viel sparsamer eingesetzt werden!

Hab einen wunderbaren Tag!

Deine Diana

Mut, Gelassenheit und Zuversicht machen das Leben schöner!

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